26.03.18
26.03.18

Open Access-Diskussion ohne Ende

Die neueste Ausgabe der SNF-Zeitschrift Horizonte, klagt das in der Schweiz revidierte Urheberrecht (URF) an. Es gefährde die Bemühungen um Open Access, denn wissenschaftliche Publikationen seien ohne Open Access nicht öffentlich und kostenlos zugänglich. Und es ergeht u.a. auch die Forderung an die Verlage, endlich ihr Geschäftsmodell zu revidieren. (Horizonte Nr. 116)

Ist diese Diskussion nicht überflüssig? Urheberrecht und Open Access stehen nur bedingt in kausalem Zusammenhang.

Wissenschaftliche Publikationen sind seit eh und je öffentlich zugänglich, für jeden, und erst noch kostenlos: Der Gang zur Uni-Bibliothek reichte bisher vollkommen aus. Im Zuge der Globalisierung, Digitalisierung und wachsender Immobilität dank Internet, liegt es aber auf der Hand, dass jeder die Publikationen bei sich zu Hause oder unterwegs auf dem Bildschirm haben sollte. Diese Entwicklung war nicht anders zu erwarten, und sollte es tatsächlich noch Verleger geben, die sich dagegen wehren, dann haben diese die Zeichen der Zeit verkannt, und gehen noch schwierigeren entgegen. Klar, dass die Geschäftsmodelle angepasst werden müssen. Schliesslich sind diese bedürfnisorientiert auszurichten, alles andere ist zum Scheitern verurteilt. Nicht am Ast der Verleger wird gesägt, sondern allenfalls an jenem der Bibliotheken. Diese Diskussion scheint bisher noch vollkommen ausser Acht gelassen.

Dass Urheberrechte automatisch an einen Verlag übergehen, ist eine veraltete Praktik. Dagegen können sich die Autoren wehren und Verträge aushandeln, die davon absehen. Jeder Verlag ist glücklich, wenn er gute Publikationen in seinem Programm führen kann.

Bei LIBRUM P&E wird eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Autoren und Herausgebern angestrebt. Selbstverständlich bleiben die Urheberrechte beim Autor. Die Publikationsrechte werden im Verlagsvertrag geregelt. Das Publizieren auf dem goldenen Weg ist eine Selbstverständlichkeit und ein zeitgemässer Dienst am Leser und der Wissenschaften. Und sollten sich Autoren dagegen aussprechen, was dann und wann vorkommt, können diese erwirken, dass ihre Publikationen etwas später oder gar nicht Open Access zur Verfügung gestellt werden.

Die Urheberrechtsfrage und das Pro und Contra zu Open Access sollten nun endlich beiseitegelegt werden. Wesentlicher ist die Diskussion zur Finanzierung der Publikationen. Der Schweizerische National Fonds hat mit dem neuen Reglement, das ab dem 1. April 2018 in Kraft treten soll, gute Ansätze präsentiert, womit zumindest das OA-Publizieren, solange eine Universitätsanbindung besteht, finanziell gesichert sein sollte. Aber es wird auch weiterhin das gedruckte Buch geben müssen, und Verlage, die diese bekannt und verfügbar machen. Und es gibt noch andere offenen Baustellen: Wie sollen beispielsweise die vielen wertvollen Arbeiten emeritierter Forscher in Zukunft finanziert werden? Publikationen, die das Resultat ihrer jahrzehntelangen Forschung aufarbeiten. Hier stellt sich die Frage nach dem “wie weiter?” wesentlich dringender.

Dominique-Charles R. Oppler

Verleger bei LIBRUM Publishers & Editors | Basel | Frankfurt am Main

 

Beitrag Horizonte Nr 116

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2 Reaktionen auf “Open Access-Diskussion ohne Ende”

  1. Rolf Zimmerli

    Lieber Dominique
    Wir feiern am 16.9.18 5 Jahre Karstlehrpfad. Die Veranstaltung ist auf unserer Homepage aufgeschaltet. Es wäre toll wenn du an diesem Tag im Museum Laufental mit deinen Büchern anwesend sein könntest. Unser Thema ist die Urgeschichte des Laufentals . Ingmar Braun, phil. nat. Paläotologe führt durch das Museum. Im Vorfeld sollten wir einen Tisch für dich reservieren. Open access for you freundliche Grüsse RZ

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    • Rolf Zimmerli

      Open access: Wie sieht es aus mit den Lehrmittel Verlagen der Kantone oder anderen kantonalen Publikationen? Hier gibt es ja auch keinen Open Access, trotzdem sollte Bildung in der Schweiz gratis sein! … und jede Schule setzt andere Schwerpunkte, jede hat eine andere Praxis. Bezahlt wird, was der eigene Lehrmittelverlag produziert oder was der Kanton als obligatorisch erklärt. Somit kann die Lehrfreiheit massiv über den Kostenverteiler beienflusst oder eingeschränkt werden.

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