{"id":4133,"date":"2020-11-20T12:25:25","date_gmt":"2020-11-20T10:25:25","guid":{"rendered":"https:\/\/librum-publishers.com\/en\/?p=4133"},"modified":"2025-03-13T11:10:27","modified_gmt":"2025-03-13T09:10:27","slug":"lopper-ueberquert-umrundet-umkaempft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/librum-publishers.com\/en\/lopper-ueberquert-umrundet-umkaempft\/","title":{"rendered":"Lopper &#8211; \u00fcberquert &#8211; umrundet &#8211; umk\u00e4mpft"},"content":{"rendered":"<p>Ein fast in Vergessenheit geratener Pass, der Rengg, eine Landstrasse, die Eisenbahn, ein Autobahnknotenpunkt sowie f\u00fcnf Br\u00fcckengenerationen erschliessen den Lopper, eine Felsnase s\u00fcdlich von Luzern. Der Renggpass verbindet die Kantone Nid- und Obwalden und spielte in der Geschichte mehrfach eine wichtige Rolle bei milit\u00e4rischen Bedrohungsszenarien, zuletzt im R\u00e9duit und im Kalten Krieg.<\/p>\n<p>Es sollte ein Buch \u00fcber den beschaulichen Renggpass werden, einem Nadel\u00f6hr auf der Gotthardroute. Die Renggpassquerung (885 m \u00fc.M.) ist ein Teilst\u00fcck des historischen Saumpfads am westlichen Ufer des Vierwaldst\u00e4ttersees, die \u00fcber Jahrhunderte eine Alternative zu den kostspieligen Schiffspassagen darstellte. Der Renggpass gew\u00e4hrleistete den Luzernern aber auch die Verbindung in Richtung Br\u00fcnig und ins Berner Oberland. Die wissenschaftliche Ausgangslage in der Fr\u00fchgeschichte ist ausserordentlich reich: Unweit des Loppers liegen die Pfahlbausiedlung Kehrsiten NW und die R\u00f6mervilla Alpnach OW. Der Lopper selbst war sp\u00e4testens seit der Jungsteinzeit Zeit tempor\u00e4r besiedelt. In der j\u00fcngeren Vergangenheit verlieren sich die Spuren. Daher r\u00fcckten die Nachfolgeprojekte der Renggpassquerung weitab der Passh\u00f6he in den Vordergrund: Das Renggpassbuch wurde zum Lopperbuch.<\/p>\n<p>Die Landstrasse wurde 1860 gebaut. Es fanden sich keinerlei Hinweise auf Pl\u00e4ne zur Erschliessung des Renggpasses, obwohl dies technisch problemlos m\u00f6glich gewesen w\u00e4re und zahlreiche Hofst\u00e4tten erschlossen h\u00e4tte. Die neue Strasse umrundete stattdessen die unwirtliche, nicht besiedelte Lopper-<br \/>\nFelsnase. Eine Zugbr\u00fccke erschloss Stansstad NW und gew\u00e4hrte gleichzeitig die Durchfahrt f\u00fcr die Dampfschiffe, die Touristinnen und Touristen zur Pilatusbahn nach Alpnachstad OW brachten.<\/p>\n<p>Aus der Pionierphase der Eisenbahn lassen sich f\u00fcr den Lopper mehrere Projekte fassen, die \u00fcber den Br\u00fcnig in Richtung Grimsel- und Griesspass weiter nach Italien f\u00fchrten. Die Er\u00f6ffnung der Br\u00fcnigbahn erfolgte in den Jahren 1888\/89, die Anbindung Nidwaldens an das Schweizer Schienennetz jedoch erst<br \/>\n1964 \u2013 sp\u00e4t und heute kaum mehr vorstellbar. Im Jahr 1964 konnte die Autobahn A1 bis Stansstad NW er\u00f6ffnet werden. Nach dem Eisenbahntunnel<br \/>\nvon 1888 f\u00fchrten nun zwei weitere R\u00f6hren durch den Lopper. Der Streckenabschnitt bzw. die Loppertunnel geh\u00f6rten zu den Pionierbauten des 1960 in Kraft getretenen Schweizer Autobahnprogramms. Der Kanton Obwalden erreichte, dass die Br\u00fcnigstrasse nachtr\u00e4glich in das zukunftsweisende Bauprogramm aufgenommen wurde. Die Verbindung von A1 und A8 am Lopper machte in den 1980er-Jahren komplizierte Kreuzungen und Schleifen sowie eine weitere Tunnelr\u00f6hre durch den Lopper erforderlich. Die ersten Bauprojekte am Lopper datieren aus der Zeit der Autobahneuphorie. 1964 wurde am Acheregg NW ein Hotel mit Blick auf die Autobahn er\u00f6ffnet. Wenig sp\u00e4ter forderte die Bev\u00f6lkerung bereits weitreichende L\u00e4rmschutzmassnahmen, musste die Sicherheit gew\u00e4hrleistet werden. Dies gelang nicht immer: 2010 besch\u00e4digte ein gewaltiger Felssturz die Fahrbahnen. Um den Verkehr aufrecht halten zu k\u00f6nnen, wurde die bislang l\u00e4ngste Pontonbr\u00fccke Europas auf dem Vierwaldst\u00e4ttersee errichtet. Von den beschaulichen Anf\u00e4ngen zu zahlreichen Infrastruktur-Superlativen: Die Lopper bildet auf engstem Raum nahezu alle Aspekte der Schweizer Verkehrsgeschichte ab.<\/p>\n<p>Initiiert hat das Buchprojekt <strong>Oberst a.D. Bruno Bommeli<\/strong> aus Alpnach, der zuletzt die Restaurierung der Truppenkennzeichen am Lopper in die Wege geleitet hat und die Autorin f\u00fcr die Schweizer Milit\u00e4rgeschichte begeistern konnte. In mehreren Exkursen werden im Lopperbuch abschliessend die mittelalterlichen Befestigungsanlagen am Lopper, die Auseinandersetzungen w\u00e4hrend der Helvetik sowie die Baumassnahmen des R\u00e9duits und des Kalten Kriegs vorgestellt: Letztere fokussierten im Ernstfall die Zerst\u00f6rung der Landstrasse von 1860 bzw. der Autobahnbr\u00fccke von 1964. Zur\u00fcck zum Anfang: Dann w\u00e4re der beschauliche Renggpass wieder die einzige Landverbindung zwischen Nid- und Obwalden gewesen \u2026<\/p>\n<p>Das Lopperbuch ist mit Karten, Pl\u00e4nen und historischen Fotografien reich illustriert. Der <strong>Fotograf FX Brun<\/strong> dokumentierte die Gegenwart. Der Geologe <strong>Peter Spillmann<\/strong> lieferte einen Textbeitrag, der die Ausgangssituation f\u00fcr Bauarbeiten im Felsmassiv erl\u00e4utert.<\/p>\n<p><strong>Marion Sauter<\/strong> ist Professorin f\u00fcr Kulturtheorie an der Berner Fachhochschule und Dozentin f\u00fcr Architekturgeschichte an der Hochschule Luzern. Die profunde Kennerin der Innerschweiz hat mit dem Renggpass- bzw. dem Lopperbuch ihre dritte verkehrshistorische Arbeit vorgelegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein fast in Vergessenheit geratener Pass, der Rengg, eine Landstrasse, die Eisenbahn, ein Autobahnknotenpunkt sowie f\u00fcnf Br\u00fcckengenerationen erschliessen den Lopper, eine Felsnase s\u00fcdlich von Luzern. Der Renggpass verbindet die Kantone Nid- und Obwalden und spielte in der Geschichte mehrfach eine wichtige Rolle bei milit\u00e4rischen Bedrohungsszenarien, zuletzt im R\u00e9duit und im Kalten Krieg. 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